Dirk Schäfer + TrioTotal 
GEISTERBAHN
 


Intro 
Programm 
Produktion 
Pressestimmen 
Dirk Schäfer 
TrioTotal 
Termine & Karten 
Kontakt 
Impressum 

29.11.2004, Kieler Nachrichten
Dirk Schäfers umjubelte Premiere "Geisterbahn" im Schauspielhaus
"Die Wand ist schalldicht!", ruft Dirk Schäfer augenzwinkernd in den Applaus des langen Zugabenblocks, als einer der vielen begeisterten Zuhörer lautstark (noch) mehr verlangt. Guter Witz. Dasselbe sagt Georg Kreisler nämlich in seinem Stück Mach's dir bequem, Lotte, kurz bevor der Massenmörder der Dame an den Kragen will. "Makaber und ein bisschen schizophren", heißt es da zum "Gerippe im Schlafzimmer, willst du es mal sehen?" Das Publikum will. Und kann nicht genug bekommen von Dirk Schäfers neuem Programm Geisterbahn, das sich an den großen Erfolg seines Jacques Brel-Abends nun wohl als noch größerer anschließt. Schäfer, der bereits in Gil Mehmerts Inszenierung Struwwelpeter sein Faible für den Falsett-Gesang entdeckte, wartet nun nicht mehr nur als Chansonnier, sondern gleich mehrfach als schaurig-schöner Countertenor auf: Wo etwa ein Andreas Scholl Die Frau von Usher's Well in lieblich-klarer Erhabenheit gibt, arbeitet Schäfer mit den toten Zauberkindern a cappella noch mehr an Brüchen und Gänsehaut. Und wenn er den "Suppenkasper" als ironisch-verschwörerischer Geschichtenerzähler in solcher Kastratenstimme anschlägt, nicht ohne Queens Killer Queen als dissonantes Intro vorauszuschicken, schwankt man zwischen wohliger Abscheu und ästhetischem Verzücken.
Der Abend steht im Zeichen der Abgründigkeit. Schäfer (mit schreckstarr fixiertem Seitenscheitel) und seine punktgenauen Zuarbeiter oder komischen Widersacher Wolfram Nerlich (Kontrabass), Karsten Schnack (Akkordeon) und Ingo Hirsekorn (Violine) mäandern musikalisch virtuos zwischen Märchen, Liebeslied, Kabarett und (französischer) Liedermachersatire voller Schrägheit und doppeltem Boden. Hier regiert nicht nur der Spaß am Angstmachen, sondern der Grusel im Alltäglichen, Banalen. Wenn Schäfer mit Kreisler den Ausländer als "typisch" beschimpft und erkennt, dass er ein "Inländer" ist, wenn er in Brels Jeff im hilflosen Tröster die eigene Hoffnungslosigkeit wegzuwischen versucht oder in Georges Brassens Gorilla die kollektive Angst vor der Kraft des animalischen Sexus offen legt, kommt die Groteske fast stärker daher als im finalen "Stroganof"-Filet.
Dirk Schäfer changiert bestens zwischen Zurückhaltung und Übertreibung, auch wenn er sich in Screaming Jay Hawkins I Put A Spell On You ein bisschen zu sehr im gerotzten LoÅNwengebrüll gefällt und die auftrumpfende Violine statt der Geliebten mit "Stop the things you do!" anfährt. Hier wird der verzweifelt Liebende zur Parodie, Jubel und Pfiffe wiederholen sich schon vor dem Ende mehrfach.
Ganz egal, ob Schäfer als souveräner Schauspieler Brels Bürgerpack als "dummes fettes Schwein" mit feiner Ironie entblößt oder in Gedichten und märchenhaften Rezitationen den fragwürdigen Zauber des Südens (Strange Fruit) oder (Tod bringende) Mutterliebe ad absurdum führt, egal, ob das Trio Tango, Walzer, Minimal oder Töne à la Arvo Pärt anstimmt, den Bass wie eine Tuba, die Violine wie ein Banjo oder Akkordeonist Karsten Schnack mit trauriger Mimik Understatement zeigt – das Programm ist durchgehend spannend, präzise getimt und mit kleinen Slapstick-Einlagen wohl akzentuiert. Allein das Ende finden, fällt schwer, doch so ist das halt bei guten Geschichten. Da wird man zum kleinen Häwelmann und will immer "mehr"! (Almut Behl)

27.11.2004, kiel4kiel.de
Geisterbahn
"I put a spell on you" singt Dirk Schäfer in seinem neuen Programm "Geisterbahn" mit Liedern und Texten im Schauspielhaus "because you're mine!" Und das Schauspielhaus ist bis auf den letzten Platz voller Wiederholungstäter, die schon seinen letzten Abend mit Liedern von Jacques Brel gefeiert haben. Das Haus frisst ihm schon nach wenigen Minuten derart aus der Hand, dass es fast ein wenig unheimlich ist. So unheimlich wie die Stücke von Kreisler, Piazolla, Hollaender, Schubert, Brel und Brassens, mit denen Dirk Schäfer und das Trio Total das Publikum auf eine wilde Geisterbahnfahrt ins Abgründige mitnehmen. Makaber und ein bisschen schizophren, morbide,krass und verstörend, sperrig und gewagt. Und ein gewaltiger Erfolg, der mit standing ovations und langem Beifall gefeiert wird! Dirk Schäfer versteht es wieder, mit seinen immensen schauspielerischen Mitteln und seiner wildwüchsigen Musikalität in seinen Liedern und Texten quasi aus dem Nichts kleine Szenen heraufzubeschwören und so nah heranzuholen, dass man förmlich in die Situation hereingesogen wird. Den Mantel der Barmherzigkeit kann man getrost an der Garderobe abgeben. In einer traumwandlerischen Gratwanderung geht es direkt an die Grenzen des guten Geschmacks. Ein paar Schritte weiter und es würde richtig wehtun, aber es ist ja viel spannender, ein wenig mit dieser Grenze zu spielen. Schließlich kennen wir schon alle die biedermeierlich böse Geschichte vom Suppenkasper und kommen nicht aus dem Tal der Unschuldigen. Auch sängerisch geht Dirk Schäfer an die Grenzen, wenn er einige Lieder in ein fragil-vitales Falsett hochschraubt, dass sich einem die Haare im Nacken aufrichten. Punktgenau begleitet wird Dirk Schäfer vom Trio Total - Karsten Schnack beherrscht sein Akkordeon genauso virtuos wie Ingo Hirsekorn seine Geige und Wolfram Nerlich am Kontrabass steuert viel zum atmosphärischen Gelingen des Abends bei. Kaum zu glauben, was so wenige Musiker aus den Noten herausholen können, und sie bewähren sich zudem auch szenisch!
Neben so viel düsteren Szenen grotesken Lebens in allen seinen abnormen Facetten gibt es aber auch viel zu lachen, wenn einem das Lachen auch manchmal schon einen Augenblick später im Hals verreckt! Wie zum Beispiel bei den virtuos dargebotenen dadaistischen Märchen und der Geschichte um das düstere Geheimnis des Boeuf Stroganoff! Und wollten wir nicht immer schon alle wissen, wie das läuft mit diesem ganz bestimmten "pffft", um das es im Leben eigentlich geht? (sema)

12.04.2005, Lübecker Nachrichten
Grausame, komische Reise
Liederabend "Geisterbahn" mit Dirk Schäfer und Trio Total in Lübeck

Der Titel der Show hätte genauso gut "Achterbahn" lauten können. Denn auf der "Geisterbahn"-Fahrt - mit Stücken von Kreisler, Brel, Brassens, Prévert, Hollaender und anderen - erlebten die Zuschauer in den Kammerspielen am Sonntagabend ein Auf und Ab der Gefühle: Kaum, dass die Tränen kullerten, vor Lachen, war einem schon wieder zum Weinen zumute.
Ohne Atempause wechselte der Kieler Schauspieler und Sänger Dirk Schäfer (zuletzt mit einem Jacques Brel-Abend erfolgreich) Themen, Charaktere und Stimmlagen - stets auf den Punkt begleitet vom Trio Total mit Karsten Schnack am Akkordeon, Wolfram Nerlich am Kontrabass und Ingo Hirsekorn an der Geige: Mal grölte der 38-Jährige als perverser Macho Screamin' Jay Hawkins' "I put a spell on you" von der Bühne, Hüftschwung und Gorilla-Pose inklusive. Dann plärrte er sich als "Suppenkaspar" mit herzzerreißender Countertenor-Stimme zu Tode. Für Kreislers "Mädchen mit den drei blauen Augen" mutierte Schäfer glaubhaft zum betrunkenen Trottel. Auch die Rolle des Psychopathen, der lüstern seinen nächsten Mord plant, spielte er, als wär's gar kein Spiel. Die auch musikalisch abwechslungsreiche Lieder-Collage lockerte der Verwandlungs-künstler durch makabre Märchen und Witze auf - mit feinem, schwarzem Humor, slapstickartig oder poetisch. Aber er wurde auch ernsthaft - ohne erhobenen Zeigefinger. Das letzte Lied vor den Zugaben, L. Allans "Strange fruits", handelt von Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten: "Schwarze Körper baumeln in der südlichen Brise. (... ) Eine fremde und bittere Ernte." (Nicoline Haas)

Dirk Schäfer Geisterbahn Video
andere Produktionen: Dirk Schäfer singt Jacques Brel . DOCH DAVON NICHT GENUG
Dirk Schäfer Tango und Piaf Video